Mittwoch, 25. April 2007

:: karl wants you to buy a shirt ::

marx2
Die Radical History Review verkauft T-Shirts. Coole T-Shirts. Das ist jetzt vermutlich die überflüssigste Information zu einer spannenden Publikation, leider bin ich noch keine treue Leserin – offensichtlich im Gegensatz zum Betreiber dieses blogs, von dem auch der Tipp kommt. Sobald ich mein T-shirt habe, wird sich das ändern. Versprochen.

Versandkosten-technisch ist es vorteilhafter, gemeinsam zu bestellen, wer also daran denkt, die Sommergarderobe auszuweiten … Und was die Zielgruppenfrage betrifft: zum Glück handelt es sich beim Aufdruck um einen Imperativ, das shirt wird damit zum idealen Begleiter auch für jene, die tatsächlich einer monetär ertragreichen Okkupation (beim Klassenfeind) nachgehen. Zumindest am Wochenende.

Farben: rot, weiss, schwarz – mit variierenden Schriftfarben – näheres am besten an der Quelle.
Größen: alles außer S (ein Fehler, Freunde)
Preis: 15$
"The T-shirts are union-made in the USA and 100% cotton" – na dann ;)

Donnerstag, 19. April 2007

:: torture 2.0 ::

Es soll Menschen geben, die noch immer denken, die Grünen wären keine abgrundtief verkommene Partei. Vielleicht hilft hier die 'Neujahrsansprache 2.0' von Marie Ringler, Landtagsabgeordnete der Wiener Grünen:



Abschreckend in Form und Inhalt.

Anmerkung 1: Seit wann, Marie, wenn ich dich so nennen darf, umfasst das Prekariat wohlig bezahlte Landtagsabgeordnete? It's all just definition.

Anmerkung 2: Es scheint ratsam, sich als PolitikerIn nur dann webcam-technisch in Szene zu setzen, wenn davon auszugehen ist, dass das Endprodukt nicht Gefahr läuft mit dem bemühten 'vote for me! SchülerInnenparlament 2007'-Wettbewerbsbeitrag (3. Platz) der Projektwoche 'westliche Demokratie und Partizipation' (7B) verwechselt zu werden.

Mittwoch, 18. April 2007

:: kunstwerk der woche ::

Das Kunstwerk der Woche – für all jene, die in den verräterischen Tiefen ihres Herzens den bildungsbürgerlichen Drang verspüren, über die Himmelssymbolik gotischer Kathedralen zu kontemplieren, jedoch klug genug sind, ihre eingeschränkte Lesezeit sinnvolleren Dingen zu widmen.
5 Minuten für die Kunst.

Heute: Monet, Le pont de chemin de fer, Argenteuil, 1873, (priv.)
… eine Zusammenfassung aus einer meiner liebsten Vorlesungen – denn kein Studium ist komplett ohne den gelegentlichen Exkurs über anthropomorphe Heuhaufen und die sinnliche Symbolik des Alltags im allgemeinen.

Nach einer kurzen, heftigen und gut verdrängten Monet-Phase mit neun hat sich meine Beziehung zu den Impressionisten rapide bis hin zu blankem Hass verschlechtert und sich nun in einem Stadium emotionsloser Indifferenz eingependelt. Schuld trägt wie immer die – im Falle der Impressionisten mehr als unglückliche – Rezeptionsgeschichte.
behold:

070417_monetseerosenC. Monet, Nympéas, 1914 (National Museum of Western Art, Tokyo)






Ein Wort: Zahnarztpraxis.
bzw.: Das Ding über Tante Mimis Sitzecke.

Nicht mehr viel übrig, vom impressionistischen Kunstwerk als perfekter Ausdruck einer bürgerlichen, urbanen, naturwissenschaftlichen Gesellschaft.
Da können Monets Seerosenbilder tausendmal einen Meilenstein Richtung Abstraktion darstellen, die Art ihrer gesellschaftlichen Inszenierung hinterlässt einen süsslichen Geschmack auf der Zungenspitze. Und irgendein Teil davon muss verdammt noch mal auch im Bild angelegt sein. Ein klitzekleiner.

Zum Glück gibt's aber nicht nur Kathedralen, Heuhaufen und Blumenwiesen, sondern auch:

070403_monet1873C. Monet, Le pont de chemin de fer, Argenteuil, 1873




Ein gefinkeltes Bild, das zwischen Technikverherrlichung und dem Versuch oszilliert, die Natur mit dem eindringenden Anderen zu versöhnen. Die prosaische Brücke führt hart, linear und mit schneidender Schärfe durchs Bild – gleichzeitig antwortet jedoch das hell/dunkle Figurenpaar auf die beiden (einmal schattigen und einmal von der Sonne beschienenen) Pfeiler, die beiden idyllischen, noch einer anderen Zeit zugehörigen, Boote auf die beiden Züge, der Dampf der Lokomotive auf die Wolken.
Die Einheit von Lebendigem und den Eingriffen des Industriezeitalters scheint möglich. Sehr sympathisch, Monsieur Monet.
Die Eisenbahnbrücke von Argeneuil war ein Skandal, aufgebrachte BürgerInnen formierten sich gegen das ornamentlose Ungetüm und es ist spannend, dass Monets Sympathien eindeutig bei der Stahlkonstruktion liegen, und das wohl nicht nur, weil sie so gutes Rohmaterial für seine Komposition liefert.

Le pont du chemin de fer, Argenteuil ist kein kompromissloses Bild, aber seine kompromisslosen Komponenten werden deutlicher, wenn sie mit einem im selben Jahr entstandenen Bild von Pissarro verglichen werden.

070403_pissarro1873C. Pissarro, Le pont du chemin de fer, Pontoise, 1873 (priv.)




Gleiches Thema, anderer Ort und voller ländlicher Idylle: Der Versuch die neue Brücke gerade nicht zum Bildthema zu machen, sie ins Pastorale einzubinden, ihre Fremdartigkeit (motivisch wie farblich) zu minimieren.

Die vielen Neubauten waren durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bedingt, der eine weitere Ebene öffnet: Monets Brückenbilder sind auch als symptomatischer Ausdruck eines nationalen Erstarkens lesbar, als Huldigung an die Grande Nation, die sich der modernsten Errungenschaften bedient, um ihre geopolitische Vormachtstellung auszubauen.
Sie sind die Bildwerdung eines Aufbauoptimismus, der sich letztendlich nur auf Kosten des Pittoresken durchsetzten kann.

Fazit: Monet als (potentiell chauvinistischer) Agent der Technikverherrlichung mit Hang zur Versöhnung ist um einiges ertragbarer, als Monet, der Seerosenfetischist.

Dienstag, 17. April 2007

:: frigga haug ::

Eine schändlich späte Veranstaltungsankündigung:
Der KSV in seiner post-spaltungs Ausformung “offenes linkes Projekt” lädt gemeinsam mit transform!at zu:

Frigga Haug
Was tun, wenn der neue Feminismus neoliberal ist?

Mi, 18. April
19:30
Elise-Richter-Saal, Uni Wien

Passendes Thema zu Zeiten, in denen Die Presse zur Vorkämpferin von Kinderbetreuungsstätten mutiert, Frigga ist ein Erlebnis – hingehen!

Dienstag, 10. April 2007

:: frustshopping ::

070410_schreibtisch

Warenästhetik:1 Frust: 4

Es ist zu hoffen, dass es sich bei der Aussage 'aus den 30er-Jahren' um keinen perfiden Verkaufstrick des sympathischen Herren auf der Vintage-Ledercouch handelt. [Offensichtlich ist der Sachverständigen-Posten für Designklassiker bei Southeby's eine der vielen Karriereoptionen, die zu verfolgen als nicht mehr lohnenswert erscheinen.]

Samstag, 7. April 2007

:: ostern ::

070407isenheimeraltar

Catholic pre-K teacher:
On Good Friday bad men killed Jesus and he died.

Four-year-old boy:
Who killed Jesus?! I will kill him with my gun!

Queens Catholic Elementary School

Quelle: overheard in New York - nette Seite, mit Sicherheit ein monochrom-ripoff.

Bild: Matthias Grünewald, Isenheimer Alltar

Mittwoch, 4. April 2007

:: photoshop, thy fiend ::

070404_photoshop
Spätestens dann, wenn einem die Forderung nach der Minimierung des gesellschaftlichen Drucks einer Schönheitsnorm entsprechen zu müssen in Gestalt einer Werbekampagne entgegentritt, dämmert es: Vielleicht kommt das Ganze nur jener Oberflächenkorrektur gleich, die hier in ihrer exzessivsten Ausformung auf der Anklagebank steht.

Weil Wissen und Sehen aber noch immer verschiedene emotionale Reaktionen hervorrufen: Ein Blick in die Flash-Wunderkammer der digitalen Bildbearbeitung. (Favoriten: Shaping, Bild 1, 3, 10)

Kein Wunder, dass mich die Entscheidung über den weiteren Umgang mit dem Pickel auf dem Bild von InterviewpartnerIn Y jedesmal aufs Neue in ein arbeitsethisches Dilemma stürzt.
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